Demokratie der Abtreibung

Warum ist der Zugang zu einer illegalen Abtreibung in Polen leichter als zu einer legalen Abtreibung in Südafrika?

Der Film vergleicht die politischen, legislativen und gesellschaftlichen Entwicklungen bezüglich des Schwangerschaftsabbruchs in den Ländern Polen und Südafrika:

Der Vergleich dieser Länder eignet sich deshalb, da die Gesetzessprechung in den 90er Jahren in beiden Ländern gegenläufige Entwicklungen genommen hat: Polen kriminalisierte durch die Einflussnahme der Kirche Abtreibungen 1993. Südafrika liberalisierte hingegen 1997 den Schwangerschaftsabbruch durch eine Überprüfung des Rechtssystems auf diskriminierende Gesetze gegen Minderheiten nach der Apartheid und hat nun eines der liberalsten Abtreibungsgesetze weltweit.

Anhand dieser beiden Entwicklungen wird sehr deutlich, wie bestimmte Demokratisierungsprozesse die Wahrnehmung von Frauenrechten bezüglich ihrer Selbstbestimmung und körperlicher Integrität beeinflussen. Beide Länder illustrieren auch die Bedeutung der Einflussnahme von Frauen: Während in Polen die Lebensrealität von Frauen in den öffentlichen Debatten ausgeblendet wurde und wird, wurden in Südafrika öffentliche Anhörungen von Frauen im Parlament durchgeführt.

Gleichzeitig ergibt sich aber aufgrund der Unterschiede im Gesundheitssystem beider Länder das Paradox, dass in Polen illegale Abtreibungen oft einfacher zugänglich sind als in Südafrika legale Abtreibungen.

Der Film gibt anhand von Interviews mit Aktivistinnen, Gesundheitspersonal und betroffenen Frauen einen Überblick auf internationale Verhältnisse in Bezug auf den Schwangerschaftsabbruch und stellt die Zugänglichkeit zu sicheren und legalen Abbrüchen in den Kontext von Ökonomie, gesellschaftliche Moralvorstellungen, sozialen Zwängen, Durchsetzung von Bürgerrechten und hinterfragt gesellschaftliche Vorannahmen über die Reproduktionsarbeit von Frauen. Der Film eignet sich für medizinisches Personal, politisch Aktive und Menschen, die an reproduktiven Rechten allgemein interessiert sind, denn er gibt viele Denkanstöße über ein Thema, dessen Tabuisierung immer noch im Weg für die Anerkennung der Lebensrealität von Frauen steht und dessen Ignorierung dazu führt, dass laut WHO jedes Jahr um die 68.000 Frauen an einer unsicheren Abtreibung sterben.

Der Film beinhaltet Interviews mit folgenden Personen:


Polen

Wanda Nowicka - Federation for Women and Family Planning, Warschau
Michal Placzek - Pro-Choice Alliance, Warschau
Anna Lipowska-Teutsch - TIK (Towarzystwo Interwencji Kryszysowej, Kriseninterventionszentrum, Krakau)
Alicja Tysiac - verklagte den Staat Polen, Warschau
Beata Zaduminska - Centrum Praw Kobiet, Krakau
Anna Zawadzka - Redakteurin Gazetta Wyborcha, Initiatorin der gescheiterten "I had an abortion" Kampagne, Warschau
Ewa Waszkiewicz - Rechts- und Sozialwissenschaftlerin, Breslau

Südafrika

Richard Burzelmann - Koordinator des Abtreibungsservices in der südafrikanischen Provinz Western Cape
Marijke Alblas - Ärztin, Kapstadt
Nurrudin Farrah - somalischer Autor, lebt in Kapstadt
Ida Aronica Frawces - Krankenschwester, Public Health Care Center Atlantis
Liz - obdachlose junge Frau
Jane Harries - Women Health Research Unit Medical School, Kapstadt
Anonyme Krankenpflegerin - Krankenschwester, Public Health Care Center Atlantis
Noluthando Ntlokwana - Woman Legal Center, Kapstadt
Awino Okeck - Mother Tongue Theater, Kapstadt
Marion Stevens - Reproductive Right Alliance (RRA), Muzenberg
Marieta de Vos - Mosaic Center for Women, Kapstadt
  • RegisseurSarah Diehl
  • AutorSarah Diehl
  • KameraSarah Diehl
  • LänderPolen/Südafrika
  • GenreDokumentation
  • Jahr2008
  • Länge50 min
  • ThemaAbbruch
  • SprachenEnglisch, Polnisch
  • Website http://www.abortion-democracy.de/contact.html
  • SynchronisationenFranzösisch
  • UntertitelEnglisch, Französisch, Spanisch

  • Genre Dokumentation
  • Jahr 2008
  • Länge 50 min
  • Thema Abbruch
  • Länder Polen/Südafrika
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